Bin ich wertvoll, weil oder bevor ich leiste?

Bei meinem letzten Vortrag hat mich eine Frage einer Zuhörerin noch eine Weile beschäftigt:

„Warum kann ich mir eigentlich nicht erlauben, mich auszuruhen?“

Sie vermutete, dass dahinter eine Prägung stehen könnte. Vielleicht die Vorstellung, nützlich sein zu müssen. Etwas leisten zu müssen. Nicht krank sein zu dürfen. Nicht zu jammern. Weitermachen zu müssen.

Ich kenne diese Gedanken. Und ich frage mich, wie tief sie manchmal reichen.

Denn Leistung ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Im Gegenteil: Wenn uns etwas gelingt, wenn wir eine Herausforderung bewältigen oder merken „Ich kann das“, kann das unser Vertrauen in uns selbst stärken. Wir erleben uns als wirksam. Wir merken, dass wir etwas beitragen können. Dass wir Fähigkeiten haben und Herausforderungen bewältigen können.

Leistung kann also durchaus etwas mit unserem Selbstwert machen.

Aber vielleicht lohnt es sich, zwei Dinge voneinander zu unterscheiden:

Wie wertvoll fühle ich mich?

Und:

Wie wertvoll bin ich?

Mein Selbstwert kann durch das gestärkt werden, was ich leiste.

Aber mein Wert als Mensch muss nicht davon abhängen.

Denn wenn aus

„Ich bin stolz auf das, was ich leiste“

irgendwann

„Ich bin nur dann etwas wert, wenn ich leiste“

wird, kann Ausruhen plötzlich schwierig werden.

Dann wird Nichtstun nicht mehr zu einer Pause, sondern fühlt sich vielleicht wie ein Versagen an.

Vielleicht darf deshalb beides gleichzeitig wahr sein:

Ich darf stolz auf meine Leistung sein.

Und ich darf wertvoll sein, auch wenn ich gerade nichts leiste.

Vielleicht ist genau das der Unterschied:

Meine Leistung darf mir zeigen, was ich kann.

Sie muss mir nicht beweisen, was ich wert bin.

Eine Frage zum Mitnehmen:

Woran merkst du, dass du gerade etwas leisten möchtest – und woran, dass du glaubst, etwas leisten zu müssen, um dich wertvoll zu fühlen?

Lass wachsen, was wachsen möchte. 🌱

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